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Andreas hat in unserer langjährigen Zusammenarbeit
nicht nur mehrfach den Aufbau von Startups innerhalb von Konzernen
vom ersten Tag bis zur Integration des gewachsenen Startups
in das Mutterunternehmen professionell begleitet, sondern darüber
hinaus wichtige Impulse zur 
persönlichen Weiterentwicklung
der Führungskräfte und natürlich nicht zuletzt von mir selbst gegeben.

 

Besonders begeistert hat dabei seine Fähigkeit
die Elemente der Organisationsberatung und Personalentwicklung
auf die 
jeweilige Situation zu übertragen und
das
Wachstum eines Startups in seiner Gesamtheit
und Einbindung in den Konzern zu betrachten und damit
sehr
individuell zu unterstützen.“ 

Dr.-Ing. Hartung Wilstermann

 

PRESSE

ANDREAS J. HERMANNS

„Wer bin ich und warum?“

Andreas J. Hermanns coacht und berät seit 15 Jahren auch Fach- und Führungskräfte, die genug haben
vom stressigen Joballtag, sich unzufrieden, ausgepumpt und nutzlos fühlen.

Herr Hermanns, woher kommt die Sehnsucht nach Freiheit?
Sie ist die Sehnsucht nach Lebenssinn und die Suche nach der Antwort auf die Frage: „Wer bin ich, und warum bin ich hier?“ Es ist die Sehnsucht nach dem authentischen Selbst und danach, die eigenen Talente und Interessen täglich einzusetzen und zu leben, und das im eigenbestimmten, nicht
fremdbestimmten Tempo. Letztendlich ist es der Wunsch nach einer Neupositionierung der eigenen
Identität.

Warum ist es für so viele so schwer, authentisch man selbst zu sein?
In unserer heutigen Gesellschaft erleben wir einen enormen Druck von außen. Erwartungshaltungen
anderer, die immer weiter steigende Rationalisierung und Optimierung von Abläufen, immer
mehr in noch weniger Zeit zu schaffen. Menschen haben gar nicht mehr wirklich die Zeit dazu, ihren Gefühlen auf den Grund zu gehen. Dazu kommen alte Denk- und Verhaltensmuster, die irrationale Ängste und Blockaden verursachen können.

Wer steigt tatsächlich aus?
Es gibt immer einen Auslöser. Das kann eine plötzliche Krankheit durch permanenten Stress oder ein subjektiv bedrohliches Lebensereignis sein. Aber auch ein langsamer Erkenntnisprozess, mit dem Fazit, nicht das Leben zu leben, das man leben will. Es hilft dann, sich neu zu orientieren, sich selbst und das eigene Wertesystem zu hinterfragen: „Wie viele meiner Überzeugungen sind wirklich meine, und wie
viele sind nur durch die anderen vorgegeben?“

Gibt es Reue bei Aussteigern?
Ja. Und das ist ganz normal bei Veränderungsprozessen. Man hat die alte Welt bereits verlassen, und das Neue greift noch nicht. Man fühlt sich unwohl und unsicher in der Übergangsphase. Viele fangen dann an, sich selbst und andere für die Situation zu beschuldigen, und sehnen sich nach der gewohnten
Sicherheit zurück. Es hilft, sich bewusst zu machen, dass das ganz normal und der neue Weg ein Prozess ist.

Und wenn die Reue nicht aufhört?
Dann hat man eine falsche Entscheidung getroffen. Auch das kann im Leben passieren. Die Frage ist, was man daraus macht. Auch das kann eine Aufgabe sein.

Gibt es ein Bewusstsein der Arbeitgeber für diese Thematik?
Ja, immer mehr. Moderne und mitarbeiterorientierte Unternehmen stellen sich durch unterschiedliche Maßnahmen diesen Fragen. Obwohl es eine große Herausforderung für die Unternehmen ist, sehr unterschiedliche Erwartungshaltungen der Mitarbeiter abzudecken. Entscheidend für den Erfolg
solcher Maßnahmen ist jedoch die Ehrlichkeit, wie diese Programme in die Firmenkultur integriert und gelebt werden.

Warum liest man so viele Geschichten über glückliche Aussteiger,
aber kaum welche über gescheiterte?

Das hat sicher viel mit unseren medialen Filtern zu tun. Das die glücklichen Aussteiger eine viel attraktivere Geschichte erzählen als die gescheiterten. Wenn überhaupt, haben die negativen Geschichten eine abschreckende Wirkung, im Sinne von „Das passiert, wenn man zu viel will“. Es gibt eine
Analogie zu unserem gesellschaftlichen Denken, auch dort gibt es kaum eine belastbare Kultur des Scheiterns. Obwohl gerade das bewusste und reflektierte Scheitern die Voraussetzung
für positive Veränderung ist.

Die Fragen stellte Vera Münch.


Der Diplompsychologe über Erwartungshaltungen und den Ausstieg aus dem alten Leben.

„Aufschieberitis“ : Arbeitstyp erkannt, Zeitproblem gebannt

Von Ursula Kals

 

Was du heute kannst besorgen, das verschieb' auf übermorgen. Im Berufs- und Studentenleben finden sich viele verlockende Verzögerungsgründe. Doch „Aufschieberitis“ läßt sich mit klugen Strategien kurieren.

 

„Nie war meine Studentenbude sauberer als während meiner Examenszeit“, sagt der Juraprofessor und lacht. Statt über dem Staatsrecht zu brüten, widmete er sich hingebungsvoll der Kachelpflege oder Sockensortierung. Hauptsache, um den Schreibtisch einen Bogen schlagen. Unangenehmen Aufgaben entzieht man sich mit Routinekram. Der Mann hat seine Aufschieberitis in den Griff bekommen. Aber viele tun das nicht. „70 Prozent aller Studenten haben Probleme mit der Zeitplanung. Und viele plagen sich damit auch später im Berufsleben“, sagt der Duisburger Diplompsychologe Andreas Josef Hermanns.

 

Allerorten tummeln sich Verzögerer und jene, die nach der Devise vor sich hin wurschteln: Was du heute kannst besorgen, das verschieb' auf übermorgen. Je näher die Prüfung, der Abgabetermin oder die Präsentation für den Großauftrag kommen, um so schneller scheint die Zeit zu rasen. Sich ihre Zeit klug einzuteilen, das überfordert viele. In der Schule haben das die meisten nicht gelernt: Zwei durchpaukte Nachmittage, und die Klausur war im Kasten.

 

Wer hilft bei der Fußnotenverwaltung?

Lediglich die Abiturprüfungen gaben einen Vorgeschmack auf das, was im Studium erwartet wird - nämlich über eine längere, Monate dauernde Strecke einen umfangreichen Stoff zu erarbeiten und am Tag X abrufbereit zu haben: Die Zahl derjenigen, die ihre Diplomarbeit lässig Tage vor dem Termin eingereicht haben, ist überschaubar. Die meisten haben das punktgerechte Arbeiten nicht eingeübt: Da ist auf der Schlußstrecke der Drucker kollabiert, der Rechner abgestürzt. Wer richtet jetzt den Druckertreiber? Wer hilft bei der Fußnotenverwaltung?

Und wieder wird die Nacht durchgearbeitet, obgleich man hundemüde in die Kissen sinken mag und das komplizierte Schlußkapitel ohnehin nur noch zusammenschustern kann. Dumm nur, daß manche Professoren gerade dem letzten Kapitel beim Querlesen große Aufmerksamkeit schenken. Natürlich ist es längst fünf vor zwölf geworden, und jetzt zählt jede Stunde. Ganz Schlaue rasten früher zur Post und ließen sich einen Blanko-Umschlag frankieren - so stimmte die Frist, war ja egal, daß der Umschlag erst drei Tage später losgeschickt wurde. Heute streikt die Post und macht da nicht mehr mit.

 

„Studenten stehen unter größerem Druck“

Schöner werden Studium und Arbeitsleben durch solche stressigen Aktionen jedenfalls nicht. Zeitmanagement ist ein alberner Begriff, der aber beharrlich durch die Ratgeberliteratur geistert. Denn die Zeit vergeht, unabhängig davon, was wir in ihr tun. Das einzige, was man managen kann, ist sich selbst. Also geht es um kluges Selbstmanagement. Daß diese Fähigkeit gerade an den Hochschulen gefragt ist, davon ist Andreas Josef Hermanns überzeugt. „Studenten stehen in den letzten Jahren unter größerem Druck. Curricula und Bachelor- und Master-Umstellung verlangen eine deutliche höhere Parallelität bei Aufgaben.“ Sein Schwerpunkt ist allerdings die Erwachsenenbildung und hier die Zeit- und Selbstorganisation von Führungskräften.

Die gängigen Techniken, um das Bummelantentum auszubremsen, kennt er zur Genüge. Und er kennt all die guten Vorsätze, die dann im Nichts versanden. Erfolgsentscheidend sei eine realistische Selbsteinschätzung. „Man muß die eigene Persönlichkeit und seine Werte kennen, um dann die Techniken der Zeitplanung für sich stabil zu integrieren.“

 

„Kommen Sie sich selbst auf die Schliche“

Seine Berliner Berufskollegin Brigitte Scheidt sieht das Thema ähnlich: „Kommen Sie sich selbst auf die Schliche, und fragen Sie sich, welche Erfahrungen Sie mit Lernen und konzentriertem Arbeiten gemacht haben. Wann kann ich gut lernen, morgens oder abends, zu Hause oder in der Bibliothek, alleine oder mit anderen? Bin ich jemand, der eine feste Struktur braucht, oder kann ich aus der Situation heraus lernen, nach dem persönlichen Lustprinzip, wohl wissend, das hat immer geklappt.“

Die Gruppe der passionierten Aufschieber sei völlig heterogen, sagen beide Psychologen. Da gibt es den totalen Perfektionisten, der alles so supertoll machen möchte, daß er aus lauter Sorge, nicht perfekt zu sein, gar nicht erst anfängt, die sprichwörtliche Angst vor dem leeren Blatt hat. Genauso aber die „absolut faule Socke“, wie Hermanns sagt. Beide aber kommen nicht zu Potte, sondern umgehen den Schreibtisch weiträumig und unverrichteter Dinge.

Frauen tun sich grundsätzlich schwerer mit Neinsagen

Brigitte Scheidt hat beobachtet: „Es gibt diejenigen, die mit Druck gar nicht klarkommen und unter Zeitdruck quasi implodieren, da zieht bei manchen eine Art Nebel im Kopf ein, so daß sie nicht mehr klar denken können. Solche Menschen brauchen klare Strukturen, klare Ziele, einen Abgleich, was muß bis wann fertig sein. Hier hilft ein fester Tagesrhythmus, den zum Beispiel Thomas Mann sein Schriftstellerleben lang beherzigt hat. Andere wiederum können mit so einem Plan gar nicht umgehen und fühlen sich eingeengt.“

In Studentenkreisen verbreitet sind auch jene mit Persönlichkeitsanteilen, die nicht nein sagen. „Sie sind viele Verpflichtungen eingegangen, treiben Sport, pflegen Hobbys und sind auf Stand-by-Position für Freunde, Partys und Umzüge. Sie entwickeln hohe Aktivität bei allem, wo kurzfristig Erfolg sichtbar ist. Leider haben sich beim Thema Referat oder Hausarbeit noch keinen Millimeter bewegt“, skizziert Hermanns. Wer sich fragt, warum er eine Sache nicht umgesetzt bekommt, der sollte Ursachenforschung betreiben. So tun sich Frauen grundsätzlich schwerer mit dem Neinsagen und lassen sich auch noch das nächste Protokoll aufdrücken. „Wer harmonieorientiert unterwegs ist, der läßt mehr mit sich machen und sollte sich fragen: Wo muß ich vermitteln, daß ich mich verändere und nicht mehr für alles und jeden zur Verfügung stehe?“ sagt Hermanns.

„Der Zeitpuffer sollte 40 Prozent betragen“

Feste Abmachungen mit anderen können helfen, Termine einzuhalten. „Es ist gut, vor anderen, dem Partner oder Freunden, also relevanten Dritten anzukündigen, bis morgen habe ich diese Aufgabe erledigt. Durch solche Selbstverpflichtung werden Verbindlichkeiten hergestellt“, sagt Karriereberaterin Scheidt.

Lieblingsthema der Zeitexperten ist die Reserve. „Der Zeitpuffer sollte 40 Prozent betragen“, sagt Hermanns. Zu oft lassen sich spontane Dinge nicht vorhersehen, ob da ein Kollege einen Rat braucht oder es ein spontanes Arbeitsgruppentreffen gibt. „Das muß man einplanen, es sei denn, man ist depressiver Single oder Workoholic und bereit, auch noch am Wochenende 150 Prozent zu leisten.“ Längst befaßt sich auch die Wissenschaft mit dem Aufschiebeverhalten, der Prokrastination. Gemeint ist eine handfeste Arbeitsstörung und nicht der Kampf gegen die Uhr, der ein Leben lang währt. Es gibt nicht wenige Journalisten, die bekennen: Gäbe es keinen Redaktionsschluß, erschiene nie eine Zeitung. Und beim leidigen Thema Steuererklärung und Fristverlängerung jammern die meisten gerne mit. Aber morgen ist auch noch ein Tag...

Muss ich da jetzt jeden Tag hin?

Von Ursula Kals


Endlich ein Vertrag, endlich in den Beruf starten. Das heißt aber auch: acht Stunden am Tag arbeiten und kurze Ferien. Der Berufsbeginn ist eine Umstellung.

Die Universität bescherte Freiheit. Ein Montagmorgen ohne Minnesang und Neidhart-Lieder war immer drin, gelegentlich schwänzte ich das Seminar. Für eine Krankmeldung interessierte sich eh keiner. Das war im Zeitungsvolontariat schlagartig anders: Schluss mit Schwänzen, der vielzitierte Ernst des Lebens hatte begonnen. Plötzlich strangulierte eine überschaubare Zahl Urlaubstage das Jahr. Als junge Volontärin reagierte ich darauf unsouverän, aber irgendwie auch menschlich: Ich hortete Urlaubstage bis zum Jahresende und schob das gute Gefühl vor mir her, beim (nie eintreffenden) Redaktionskoller einfach einen Monat abdüsen zu können. Was mir prompt Zwangsurlaub im nebelgrauen November bescherte. Jedenfalls war der Start in den Traumberuf toll, aber auch ambivalent: Statt Zeilenhonorar lockte ein Gehaltszettel, aber der Tag war fortan fest verplant, Sonntagsdienste vereitelten spontane Verabredungen.

„Der Eintritt in den Beruf beschert einen großen Schub, erwachsen zu werden“, sagt die Potsdamer Wirtschaftspsychologin Corina Hausmann. „Jetzt gelten Rahmenbedingungen wie bei Erwachsenen bis hin zur Tatsache, selbst Miete zu zahlen.“ Seien in der Schule noch „viele Spielräume möglich, geht das im Beruf nur bedingt“, sagt der Hamburger Psychologe Andreas Hermanns.

Mangel an Disziplin

Der Sprung in die Arbeitswelt überfordert manchen. Vom Klassenraum in die Werkstatt zu wechseln, das fällt selbst motivierten Azubis schwer. „Manche Ausbilder beklagen einen Mangel an Disziplin“, beobachtet Brigitte Scheuerle von der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. „Azubis kommen mal zu spät und haben größere Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten. Was man früher vom guten Elternhaus mitbekommen hat, das schwindet.“ Die Geschäftsführerin Aus- und Weiterbildung verteilt aber auch Lob: „Wir hören ebenso, die jungen Leute seien lösungsorientierter. Macht ihnen eine Sache Spaß, beißen die sich richtig rein.“

Durch den Wegfall der Wehrpflicht sind junge Männer heute anders sozialisiert. „Bei der Bundeswehr oder im Zivildienst hatten sie schon Übung darin, wie es ist, zu arbeiten, sich dennoch nach der langen Partynacht auf den Arbeitsweg zu begeben“, sagt Coach Hermanns. Durch die straffen Zeitpläne des Bachelor-Studiums fällt es vielen Studenten offenbar nicht mehr so schwer, Selbstdisziplin und Eigenverantwortung im Beruf umzusetzen. „Sie sind im Studium zackiger organisiert, können ihre Zeit nicht frei einteilen, weil sie ein so großes Pensum haben“, fasst Corina Hausdorf zusammen.
Treiber und Getriebene

Hermanns skizziert zwei Gruppen unter den Einsteigern: junge Leute, die sich als Teil der Leistungsgesellschaft empfinden und sich hoch angepasst ihrer Karriereplanung widmen. „Sie haben ein hohes Leistungsmotiv, eine große Erwartungshaltung, kennen keine Berufsrealität und haben Bilder im Kopf, was zum Beispiel ein Manager macht.“ Das sei mit attraktiven Dingen bis hin zum Dienstwagen XXL verbunden, da werde gerne vom sogenannten „Surrounding“ gesprochen. Die andere Gruppe sehe die Schule nur als Vorstufe, lasse das Leben auf sich zukommen, gehe nach Versuch und Irrtum vor. „Sie gucken mal, was Spaß macht.“ Ihren fragmentarischen Lebenslauf verkauften sie einem Personalchef selbstbewusst.

Was alle eint: „In der Regel findet keine professionelle Begleitung der Berufseinsteiger statt. In vielen Fällen ist die Abteilung ,Kaltes Wasser‘ immer noch besetzt. Da findet durch den existentiellen Druck einer Leistungsgesellschaft eine Zwangssozialisation statt“, kritisiert Hermanns. Eine ungute Situation, denn Anfänger kennen keine Routinen. „Sie googeln sich bei unklaren Arbeitsaufträgen blöd.“ Manchmal sei die Selbsthilfe erfolgreich, baue aber eine falsche Erwartungshaltung bei Vorgesetzten auf, die überzeugt seien, die Neuen könnten das. „Die Einsteiger haben wiederum keinen Erfahrungszuwachs und scheitern eher zeitverzögert.“ Das ließe sich vermeiden. „Personalbegleitung ist eine lohnende Investition fürs Unternehmen“, findet Hermanns und lobt Programme wie „Scout“, bei dem Mentoren die Einsteiger begleiten, oder auch vertrauliche Führungszirkel, bei denen der Nachwuchs auf Alphatiere des Unternehmens trifft. „Von dem Erfahrungsaustausch profitieren alle.“

Stramme Hierarchien

Von solchen Konditionen können viele Einsteiger nur träumen. Sie finden sich in strammen Hierarchien wieder, unsympathischen Professoren konnten sie noch ausweichen, Vorgesetzten nicht. „Viele haben durch ihre Praktika schon Erfahrungen gemacht, wie es ist, ganz unten in der Kette zu stehen“, sagt Hausdorf und meint das keineswegs zynisch. Klug ist es natürlich, sich vor einer Bewerbung Gedanken zu machen, welche Führungskultur zu einem passt: ein Konzern mit zementierten Regeln, kleinem Spielraum und großer Sicherheit? Oder ein junges Unternehmen mit flachen Strukturen, aber unklaren Karrierepfaden?

Und da ist die Sache mit den Kollegen, im Studium finden sich viele Arbeitsgruppen freiwillig zusammen. Jetzt nerven Kollegen, baut sich Antipathie auf. Was tun? „Reflektieren, rauskriegen, warum man bestimmte Sachen am anderen so furchtbar findet, das hat mit einem selbst zu tun“, rät Hausmann. „Schauen Sie sich das aus verschiedenen Perspektiven an, dann verliert es die Schwere.“ Gespräche im Freundeskreis helfen weiter. Es muss nicht immer gleich ein Coaching herhalten, um zu reflektieren, was einem im Arbeitsleben übel aufstoßen kann.

Häufige Umzüge als Hindernis

Und welchem Typ fällt der Berufsstart leicht? „Jenen, die gelernt haben, Ambivalenzen auszuhalten und in uneindeutigen Situationen trotzdem kompetent zu reagieren“, erklärt Hermanns. „Entscheidend ist die Persönlichkeitsstruktur. Was Wechsel allgemein erleichtert, ist Flexibilität, Offenheit für Neues“, ergänzt Hausdorf. Viel habe mit Vorerfahrungen aus der Kindheit zu tun. Kinder, die oft umziehen mussten, empfinden es meist schwerer, wieder Fuß zu fassen, sich auf eine neue Situation einzustellen. Leichter tun sich diejenigen, die Wurzeln schlagen konnten.

Welcher Beruf passt zu mir - das ist und bleibt die Gretchenfrage. Den Satz „Mach doch was Vernünftiges“ habe sie von ihren Eltern gehört, sagt Corina Hausdorf. Gemeint seien damit in der Regel etablierte Fächer wie Jura oder Wirtschaftswissenschaften. Ob aber ein musisch interessierter, mathematisch desinteressierter Abiturient wirklich bis zur Rente gut durchs Leben kommt, wenn er sich durchs Wirtschaftsstudium zwingt, ist anzuzweifeln. Vor allem, wenn das Erfolgsgefühl ausbleibt. „Schwierig wird es, wenn Studenten merken, das passt eigentlich nicht zu mir, da gibt es eine Diskrepanz zwischen dem, was sie für Fähigkeiten haben, und dem, was dann von ihnen verlangt wird“, sagt Hausmann. „Nichts ist frustrierender, als früh zu scheitern, nichts ist motivierender, als am Anfang Erfolge zu haben“, sagt Andreas Hermanns. „Schon kleine Schritte sind geballte Motivation. Das wird unterschätzt.“
Praktika als Realitätscheck

Eine Strategie, um Fehlentscheidungen zu vermeiden ist nicht originell, aber effektiv: Praktika machen, realistische Einblicke in den Berufsalltag gewinnen. Ein soziales Jahr nach dem Abi oder ein Auslandsjahr während des Studiums bringe oft Klarheit darüber, womit jemand tatsächlich die nächsten Jahrzehnte verbringen möchte, erklärt Hausdorf, die als Dozentin an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft viel Kontakt zu Studenten hat. Sie sieht Praktika als Realitätscheck. Zum Beispiel für die Filmverliebten, die es mit einer romantischen Idee zum Serien-Set zieht. „Dabei arbeitet man von 8 bis 22 Uhr, hat kaum Zeit für Freunde.“ Oder die naive, von zusammengeschnittenen Castingshows inspirierte Vorstellung von PR-Arbeit. So mancher denkt an Promikontakte und rote Teppiche, nicht aber an Konzeptentwicklung, Telefon-Akquise und nervige Abstimmungsgespräche mit Kunden. Glamourfaktor gleich null, Fehlstart programmiert.